Bürger Bündnis Oldenburg
Positionspapier: Jugend & Jugendarbeit
Kommunalwahl Oldenburg · 13. September 2026 · Stand: August 2026
Jugend ist keine Randnotiz - sie ist Zukunft
Jugendarbeit ist keine freiwillige Leistung, die man in Sparrunden zuerst streicht. Sie ist Daseinsvorsorge - genauso wie Straßen, Schulen oder der ÖPNV. Wer will, dass junge Menschen in Oldenburg bleiben, hier ihre Zukunft aufbauen und sich für diese Stadt engagieren, muss ihnen Orte, Mitsprache und Perspektiven bieten - nicht nur Ankündigungen.
Grundlage dieses Papiers ist unter anderem die Jugendumfrage von JANUN Oldenburg e.V. und den Falken Weser-Ems, auf die das BB-OL ausführlich geantwortet hat. Aus diesen Antworten und eigenen Gesprächen mit jungen Menschen, Jugendverbänden und dem Stadtjugendring hat das BB-OL klare, überprüfbare Forderungen entwickelt.
1. Mitbestimmung & Jugendparlament - aus Ankündigungen Beschlüsse machen
Echte Mitbestimmung ist aus unserer Sicht die Grundlage für alles andere: Nur wenn junge Menschen strukturell gehört werden, wirken auch Beschlüsse zu Mobilität, Wohnen oder Klimaschutz nachhaltig.
- Satzung für ein echtes Jugendparlament: mit eigenem Antragsrecht in Ausschüssen und im Rat, festem Budget und verlässlichen Räumen - entwickelt gemeinsam mit Schulen, Jugendverbänden und dem Stadtjugendring
- Prüfung durch die Verwaltung, welche städtischen Grundstücke oder Gebäudeteile dafür bereitgestellt werden können
- Ehrenamt in der Jugendarbeit stärken: einfachere Förderanträge und eine feste Ansprechperson im Rathaus
2. Freizeitangebote, Jugendräume & Treffpunkte - Orte ohne Konsumzwang
In vielen Stadtteilen fehlen verlässliche Treffpunkte für junge Menschen - Orte, die einfach da sind, ohne Anmeldung und ohne Konsumzwang. Das BB-OL will das ändern.
- Bestandsaufnahme freier Jugendräume in allen Stadtteilen; Prüfung, welche städtischen Gebäude oder Grundstücke - auch leerstehende - dafür genutzt werden können
- Haus der Jugend und Stadtjugendring mit seinen 21 Verbänden im Haushalt verlässlich absichern, statt sie bei Kürzungen zuerst zu streichen
- Besonderes Augenmerk auf Stadtteile ohne eigenes Angebot und auf Jugendliche, die aufsuchende Jugendarbeit bisher kaum erreicht
3. Sicherheit & Vertrauen
Der Tod des 21-jährigen Lorenz A., der im April 2025 in Oldenburg von einem Polizisten erschossen wurde, hat viele junge Menschen erschüttert - besonders junge Menschen mit Migrationsgeschichte, die sich durch die Polizei nicht geschützt, sondern bedroht fühlen. Das strafrechtliche Verfahren läuft und muss unabhängig von der Justiz geklärt werden - das maßt sich das BB-OL als Kommunalpolitik nicht an vorwegzunehmen. Auf kommunaler Ebene sehen wir aber sehr wohl Verantwortung.
- Städtische Mittel für Antidiskriminierungsarbeit und Empowerment-Projekte für junge Menschen mit Migrationsgeschichte im Haushalt absichern
- Feste Vertrauenspersonen in Jugendeinrichtungen
- Grundsatz: Sicherheit darf nicht von Hautfarbe oder Herkunft abhängen
4. Mobilität - mobil auch ohne Auto und ohne viel Geld
Wer kein Auto hat und wenig Geld, kommt in Oldenburg nicht überall hin - besonders abends und in Randlagen. Für das BB-OL gilt gerade hier unser Grundsatz: erst ausbauen, dann einschränken.
- Vergünstigtes Jugendticket und dichterer Abendtakt in den Randlagen als fester Bestandteil der ÖPNV-Planung
- Sichere, gut beleuchtete Rad- und Fußwege in die Stadtteile
- Sichere Mobilität für junge Menschen ist Daseinsvorsorge, keine Kür - das BB-OL verteidigt diese Mittel gegen Kürzungsvorschläge
5. Bezahlbarer Wohnraum
Wer volljährig wird und ausziehen möchte, findet in Oldenburg oft nur schwer ein bezahlbares WG-Zimmer oder eine Wohnung. Sozialer Wohnungsbau berücksichtigt junge Menschen bislang zu wenig.
- Feste Quoten für junges Wohnen - kleine, WG-taugliche, bezahlbare Einheiten - bei der städtischen Wohnungsgesellschaft
- Städtisches Belegungsmanagement für die fast 3.000 leerstehenden Wohnungen in Oldenburg, statt neue teure Programme aufzulegen
- Tempo bei der Umsetzung einfordern: Sozialer Wohnungsbau für junge Menschen ist keine Randnotiz, sondern Bedingung dafür, dass Oldenburg für die nächste Generation bezahlbar bleibt
6. Psychische Gesundheit & Beratungsangebote
Immer mehr junge Menschen suchen Unterstützung bei psychischen Belastungen - und stoßen auf lange Wartelisten. Die größte Lücke liegt für uns beim schnellen ersten Kontakt, nicht erst bei der Therapieplatzsuche.
- Jugendhilfezentrum, Schulsozialarbeit und freie Träger besser vernetzen
- Niedrigschwellige Erstanlaufstellen ohne Diagnose-Hürde direkt in Jugendeinrichtungen und Schulen
- Gezielte Haushaltsmittel dafür beantragen, statt allein auf freiwillige Träger zu setzen
7. Digitale Teilhabe & Sicherheit im Netz
Digitale Teilhabe gehört zum Alltag junger Menschen - trotzdem gibt es Jugendeinrichtungen ohne WLAN und kaum digitale Beteiligungsmöglichkeiten. Gleichzeitig machen viele Erfahrungen mit Hass, Mobbing oder Betrug im Netz.
- WLAN in allen Jugendeinrichtungen als Pflichtstandard, umgesetzt durch das neue Amt für digitale Transformation
- Digitale Beteiligungsplattform mit echtem Vorschlagsrecht für Jugendliche
- Feste Kooperation zwischen Schulen, Jugendarbeit und Verwaltung für Beratung bei Mobbing, Hass und Betrug im Netz - mit klarer Zuständigkeit statt Zersplitterung
8. Schule & Bildungsinfrastruktur
Der Zustand von Schulgebäuden und Berufsschulen ist für junge Menschen täglich spürbar - und zeigt, wie ernst Bildungspolitik vor Ort genommen wird.
- Ehrliche Bestandsaufnahme aller Schulgebäude im Rat einfordern
- Investitionen priorisieren statt auf Prestigeprojekte verteilen - Daseinsvorsorge vor Neubauten anderswo
- Für den Rechtsanspruch auf Ganztag ab August 2026: Raum- und Personalplanung jetzt vorlegen, nicht erst wenn Eltern klagen müssen
- Berufsschulen dürfen im Haushalt nicht hinten runterfallen
9. Sport für alle - unabhängig vom Geldbeutel
Sportvereine und -anlagen sind zentrale Orte der Begegnung, unabhängig von Herkunft oder sozialem Hintergrund - sie sind eine wichtige Klammer unserer Gesellschaft. Ein neues Prestigestadion für rund 60 Millionen Euro lehnt das BB-OL ab - dieses Geld gehört in die bestehende Sportinfrastruktur und in die Vereine selbst.
- Ertüchtigung des Marschwegstadions für Liga-, Schul- und Breitensport statt Stadion-Neubau
- Abbau des Sanierungsstaus bei Sporthallen und -plätzen in den Stadtteilen
- Gezielte Unterstützung der Vereine, die gute Jugendarbeit leisten - mehr Fördermittel, einfachere Förderanträge und verlässliche Hallenzeiten für ihre Jugendabteilungen
- Höhere Zuschüsse für einkommensschwache Familien und eine transparentere, fairere Vergabe von Hallenzeiten
10. Klimaschutz & lebenswerte Stadt - jung mitgestalten
Hitzetage, fehlende Grünflächen, Überschwemmungen: Der Klimawandel betrifft junge Menschen direkt - und sie wollen mitgestalten, nicht nur zuhören.
- Ehrliche Evaluierung des Klimaschutzplans 2035 - über 90 Projekte, viele seit 2019 liegengeblieben, brauchen einen realistischen Zeitplan statt weiterer Ankündigungen
- Feste Mitspracherechte des Jugendparlaments bei stadtteilbezogenen Klimaprojekten, mit Anhörungsrecht in den Fachausschüssen statt unverbindlicher Beteiligung
- Schulworkshops zu konkreten Flächen im Stadtteil
Zusammenfassung unserer Positionen
- Echtes Jugendparlament mit Antragsrecht, Budget und festen Räumen
- Jugendräume und Freizeitangebote im Haushalt absichern statt kürzen - mit Fokus auf unterversorgte Stadtteile
- Antidiskriminierungsarbeit und Vertrauenspersonen stärken - Sicherheit darf nicht von Hautfarbe abhängen
- Vergünstigtes Jugendticket und sichere Mobilität auch ohne Auto und Geld
- Bezahlbares, junges Wohnen: feste Quoten und aktives Belegungsmanagement
- Schnelle, niedrigschwellige Erstanlaufstellen für psychische Gesundheit
- WLAN und digitale Mitsprache in allen Jugendeinrichtungen
- Sanierung von Schulen und Berufsschulen vor Prestigeprojekten
- Kein Stadion-Neubau - stattdessen Sportinfrastruktur und Jugendarbeit der Vereine in den Stadtteilen stärken
- Junge Menschen mit echtem Anhörungsrecht in die Klimapolitik einbinden